Begriffe und Werte
Die Basis für mein Denken sind einige Werte, die ich letztendlich aus der Situation unseres Menschsein herleite.
Ich wäre mich nicht gegen die Kenntnis der Aufklärung: Es gibt keine Werte und Urteile, die überall und zu allen Zeiten gültig wären, also keine Werte und Urteile „an sich“.
Es ist meine Auffassung, dass die Wirklichkeit ganz im kantschen Sinne für uns unerreichbar bleibt. Deshalb stellt dieser Ansatz nur ein pragmatisches, lösungsorientiertes Gebilde dar, welches fundamentaler Kritik im Sinne Kants nicht standhalten würde. Auch wird neben der prinzipiell unmöglichen Unfehlbarkeit, darauf hingewiesen, dass es auch im Verständnis des Autors Fehler geben kann. Der kritische Leser ist aufgefordert in einem solchen Falle in Form der Kommentarfunktion diese aufdecken und so als Korrektiv zu wirken.
Wir bewegen uns mit unseren Gedanken also in einem Kategoriengebäude, ein Weltbild, dass seine Grenzen hat und es ist auch sicher interessant, sich mit diesen Grenzen zu beschäftigen. So sind die Änderungen, die sich z.Bsp. durch die moderne Physik ergeben, zu berücksichtigen und dürfen nicht unbetrachtet bleiben. Leider ist die philosophische Aufarbeitung dieser Themen noch sehr unbefriedigend, trotzdem werden ich versuchen darauf einzugehen und dies ansprechender Stelle im Kontext erläutern. Zunächst müssen wir unser Gebäude aber erstmal errichten und daher gehen wir erst später darauf ein.
Aus der aktuellen Situation des Menschen heraus und mangels einer besseren Lösung, werde ich versuchen Werte aus einer gewissen Grundlage heraus zu erarbeiten, die "an sich" natürlich angreifbar bleibt. Und auch jemanden der z.Bsp. von der Illusion des Lebens spricht werde ich nichts nichts entgegnen können. Trotzdem wird dieser vielleicht meinen Gedanken folgen, weil sie rein pragmatisch betrachtet zu einer besseren Organisation unseres Zusammenlebens führen sollen.
Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich im Laufe meiner Gedankenspiele neu Erkenntnisse ergeben, die gewisse Modifikationen an diesen Grundgedanken bedingen. Auch externe Ereignisse und Erkenntnisse sollen ggf. berücksichtigt werden.
In diesem Blog wir der Begriff der "humanistischen Pespektive" eingeführt. Dieser soll auf die humanistische Tradition verweisen, wird aber eine moderne Deutung haben, die sich so in der klassischen Deutung des Humanismus so nicht wiederfindet. Auch ist der Begriff des Humanismus nicht eindeutig besetzt, sondern unterliegt einer recht großen, nicht widerspruchsfreien Bandbreite von Interpretationen, von denen ich mich hier durch den neuen Begriff klar abheben möchte.
Doch zunächst möchte ich mich den fundamentalen Werte der Würde und der Freiheit, sowie der Toleranz und dem Respekt zuwenden.
Würde und Freiheit
Die Würde des Menschen ist unantastbar, die Autoren der Bundesdeutschen Verfassung haben sich sicher sehr tiefe Gedanken darüber gemacht, als sie dieses Leitmotiv an den Anfang der Gesetzgebeung gestellt haben. Leider ist der Begriff der Würde nicht ganz einfach und muss etwas hinterfagt werden, um zu einem genaueren Verständnis zu gelangen, welches in diesem Kontext gelten soll.
Zunächst möchte ich auf die Situation des Menschen eingehen und einer Tatsache gewahr werden, die sehr häufig im Alltag unseres Seins vergessen wird und die mich immerwieder aufgrund ihrer wunderbaren Tiefe erschaudern lässt.
Ich blicke als Kind diese Universums auf die Sterne in den Himmel, ich erfasse den Duft der Blumen und den Gesang der Vögel. Ich beobachte und nehme wahr. Wir sind ein Teil des Ganzen und durch uns beobachtet das Ganze sich selbst und es versucht sich zu begreifen. Wir sind ein Teil des Universums und wir sind neugierig auf dieses Universum, wir versuchen zu beobachten, zu erfahren, zu ergründen und zu verstehen. Wir möchten verstehen wo wir Leben und wer wir sind. Verlassen wir unsere menschliche Perspektive und nehmen eine globale Perspektive ein, so kann man sagen, durch uns als Kind der Welt beobachtet und reflektiert sich die Welt selbst. Dieser Blick auf sich selbst ist sehr verwunderlich, aber nicht zu verleugnen. Die Welt reflektiert sich durch uns selbst ein gar wunderbarer Zirkelschluss.
Die Sinne des Menschen mögen sehr unzureichend sein und sicher ist unser Geist auch nicht scharf genug um in alle Tiefen vorzudringen. Auch unsere persönliche Geschichte, unser Umfeld stellen einen Filter für unsere Wahrnehmnung dar. Aber eine Wahrnehmung "an sich" postuliere ich hier als existent und diese macht diesen Zirkelschluss komplett.
Wir beobachten also und wir versuchen Erkenntnisse zu gewinnen, was uns direkt zum aufgeklärten Menschen führen wird.
Damit der Mensch allerdings die Zeit und Muse für solche bewussten Beobachtungen und die freie Entfaltung seiner Gedanken hat, müssen ein paar Grundbedürfnisse gestillt sein. Diese Grundbedürfnisse sind mit dem Begriff der Würde eng verknüpft und stellen in Summe eine würdige Lebensgrundlage dar.
Ausgehend von dem Modell der Bedürfnisspyramide benötigen wir ausreichend Nahrung, Wärme und Raum. Wir benötigen ein geborgenes Umfeld, Liebe und Gesundheit. Die Persönlichkeit des einzelnen muss geschützt sein. Schließlich ist noch der freie Zugang zu Bildung sowie die Möglichkeit des freien Gedankenaustauschs, sowie die Bewegungsfreiheit wichtig. Es gibt vielleicht noch weitere Aspekte, die aufgeführt werden müssten, aber es reicht erstmal um die Idee eines würdigen Lebensraums für den Menschen zu umreissen.
Alle diese Grundbedürfnisse des Menschen müssen gegeben sein, damit er sich frei entfalten und ein aufgeklärtes Leben führen kann. Dies wird benötigt, um die Beobachter und Interpretationsrolle, die dem Menschen durch unsere Welt gegeben worden ist einzunehmen. Ich möchte diese Lebensbedingungen als die Grundvoraussetzungen für ein würdiges Menschenleben sehen, womit der Begriff der Würde etwas präzieser eingeordnet ist.
Insgesamt sieht man, dass der Begriff der Freiheit sich zu entfalten eine große Rolle spielt, im Laufe des Blogs werden wir aber noch weitere intressante Aspekte der menschlichen Freiheit kennenlernen. Aber bis hier möchten wir den Begriff der Freiheit erstmal so fassen, dass jeder die Freiheit hat sich so zu entfalten, wie er es benötigt und wie es für seinen persönlichen Erkennisweg am Besten ist.
An dieser Stelle möchte ich aber auch gleich einem Missverständnis vorbeugen. Es ist ganz eindeutig nicht ein Ausdruck der persönlichen Freiheit, wenn jemand mit einem Luxussportwagen unsere Ressourcen verschwendet und andere gefährdet. Es ist vielmehr der Ausdruck einer persönlichen Unfreiheit, weil sich die Person den Zwängen des "Habens" und den kapitalistischen Zwängen unterwirft. Anstatt seine geistigen Ressourcen zu nutzen, steckt er sein Geld in ein Statussymbol hinter dem man sehr gut seine geistige Inkompetenz verstecken kann. Gauckelt es doch einen gesellschaftlichen Erfolg vor, für den man heutzutage viel Anerkennung ernten kann.
Die persönliche Freiheit ist nur in dem Sinne zu interpretieren, dass es um die persönliche Fortentwicklung geht. Was tut jeder Einzelne dafür ein aufgeklärter Mensch zu werden und so etwas wie Weisheit zu erlangen? Dies sind die Maßstäbe nach denen hier gefragt wird und die im Mittelpunkt stehen.
Respekt und Toleranz
Wie in der Präamble zu diesem Blog schon erwähnt spielen für mich Respekt und Toleranz gegenüber dem anderen Individuum eine große Rolle. Ich sehe darin ebenfalls Grundwerte für eine Gesellschaft, die eine freie Entfaltung erlaubt und die einer Weltanschauung mit humanistischer Perspektive nicht fehlen dürfen.
Haben wir im letzten Abschnitt den Blick in die Sterne gewagt und unsere Wahrnehmung der Natur betrachtet, so blicken sich in diesem Abschnitt die Individuen tief in die Augen. Sie hören sich zu, manchmal riechen und schmecken sich auch. Sie tauschen sich aus und versuchen sich gegenseitig zu ergründen.
Der Wert der persönlichen Freiheit steht nicht ganz widerspruchslos zu dem persönlichen Werten der Toleranz und des Respektes. Insbesondere wenn man berücksichtigt, dass es nicht beliebig viel Raum und Ressourcen auf unserer Erde gibt. Wir müssen unseren Lebensraum und die Ressourcen mit den Anderen teilen. Ziel ist es ja allen ein würdiges Leben zu ermöglichen, denn jedes Individuum hat ein Recht auf diese Grundlagen, keines kann als wichtiger als das Andere angesehen werden. Durch diese Rahmenbedingungen ergeben sich nun auch Grenzen für die persönliche Freiheit des Einzelnen. Wir können uns hier nicht von der Realität lösen und tun was wir wollen. Aber wie wir im weiteren sehen werden, bleiben die wesentlichen Freiheiten unberührt und eigentlich wird nur unser experimenteller Spielraum eingeschränkt.
Jeder Mensch ist ein Individuum und als solches einmalig. Jeder Mensch hat seine ganz eigene Biologie, Genetik, seine eigene Geschichte, seinen eigenen kultutrellen und familiären Hintergrund. Jeder Mensch hat seinen ganz eigenen Charakter. Es ist ganz normal, dass auch jeder Mensch seine ganz eigene persönliche Entwicklung und Weltanschauung hat. Dies ist sehr individuell und kann sehr verschieden sein. Es ist oft sehr schwierig die Ideen des Anderen zu verstehen. Doch in einer Welt mit geteilten Räumen und Ressourcen müssen wir uns miteinander auseinandersetzen und austauschen. Damit dies möglich ist, benötigen wir den Respekt und die Toleranz gegenüber dem Anderen. Wenn wir die Einzigartigkeit des anderen Individuums verstanden haben und uns selbst nicht über dieses Individuum stellen, ergibt sich automatisch daraus, dass wir ihm mit Respekt begegnen. Wir brauchen die Toleranz dem Andersdenkenden gegenüber. Wir gehen davon aus, dass er mit dem selben aufgeklärten Geist zu ganz anderen Schlussfolgerungen gekommen ist, als wir.
Wir müssen uns darüber klar sein, dass bei dem Austausch mit anderen Individuen immer Missverständnisse aufkommen können. Diese sind oft nur sehr schwer aufzudecken. Wir benötigen viel Sensibilität auf beiden Seiten, um sie aufzuspüren, zu bearbeiten und auszuräumen. Gesellschaftlich betrachtet, ist es eine der schwierigsten, aber auch wichtigsten Aufgaben Mechanismen zu entwicklen, wie mit Missverständnissen umgegangen werden kann. Eine Lösung auf diesem Gebiet sehe ich im Moment noch nicht, allerdings sehe ich auch nicht, dass sich jemand ernsthaft mit diesem Thema auseinandersetzt.
Dieser Blog existiert, weil ich der Meinung bin, dass wir durchaus in der Lage sind trotz der Unterschiede gemeinsame Werte zufinden. Der Versuch ist hier, aus der gemeinsamen Situation aller Menschen als beobachtende, denkende Individuen unter den Randbedingungen gemeinsamer Ressourcen Werte zu generieren, die für alle als gültig anerkannt werden können.
Sollte es jedoch Individuen geben, die diese Grundlage, diese Basis nicht teilen, dann sind diese Individuen zunächst aufgefordert ihre Sichtweise darzustellen. Sie müssen damit Leben, dass diese Sichtweise einer kritischen Prüfung unterzogen wird. Genauso wie sie natürlich das Recht haben unsere Ideen kritisch zu hinterfragen. Kommt es zur gegenseitigen Anerkennung der Position, so müssen im Dialog Regelungen für ein friedliches Miteinander unter Wahrung der gegenseitigen Werte gefunden werden. Auch über eine aus beiderseitiger Sicht gerechte Aufteilung von Ressourcen muss in diesem Zusammenhang verhandelt werden.
Ich möchte darauf hinweisen, dass es hier nicht darum geht Positionen aufzuweichen. Das kritische Hinterfragen ist wesentlicher Bestandteil und wird in vielen Fällen zu inaktzeptablen Zusammenhängen führen. Diese führen dazu, dass eine der Positionen als nicht wirklich unabhängig anerkannt werden kann. Es ist vielmehr so, dass eine Position in einem solchen Fall auf Fehlschlüssen beruht und diese müssen dann korrigiert werden. Das ganze Verfahren führt im Normalfall zur Angleichung der Position an die allgemeingültige Denkweise. Die Argumente dieses letzten Abschnitts sind persönlich als auch im kollektiv gültig, die schützenden Aspekte sind aber im persönlichen Fall zu beachten.
Auch der persönliche Respekt und die Toleranz benötigen noch einiger Anmerkungen:
Da hier von persönlich die Rede ist, bezieht sich die Argumenation auf ein Individuum und nicht auf eine Gruppe, Institution, öffentliche Rolle oder etwas ähnliches. Dies muss hier deutlich unterschieden werden. Sobald eine gesellschaftliche Rolle ins Spiel kommt, muss sich diese auch der vollen Kritik stellen. Sie kann hier nicht den Respekt und die Toleranz in dem Sinne einklagen, dass Inhalte nicht hinterfragt werden dürften, dass bestimmte Fragestellungen nicht erlaubt sind. Dies kann ein Individuum durchaus fordern. Mit Blick auf die Individualität der Mitglieder einer Gruppe wird man die Kritik an dieser auch angemessen formulieren und den Individuen ggf. die Wahl lassen, ob sie sich der Kritik stellen oder nicht (Schutz durch entsprechende Warnungen). Das Kollektiv oder die Rolle muss hingegen in allen Belangen kritisierbar sein und sich mit aufgeklärteren Positionen auseinandersetzen. Dieser Blog wird seinen Beitrag dazu leisten.
Auch wenn ich diesem Thema einen eigenen Abschnitt widmen werde, so möchte ich an dieser Stelle auch auf die Pflicht der persönlichen Verantwortung eines jeden Individuums hinweisen. Letztere Pflicht impliziert durchaus auch eine persönliche Kritik, falls diese Verantwortung nicht wahrgenommen wird. Im Einzelfall mag es sein, dass hier eine direkte Kritik eben aus Gründen des Respekts und der Toleranz ausbleibt, aber eine anonymisierte Form der Kritik ist hier durchaus angebracht. Im Falle eines Übertretens in eine öffentliche Rolle würde die Kritik, dann soweit weiterhin gültig auch direkt erfolgen.
Vom Ursprung zum Sein
Neben den nach aussen gekehrten Aspekten versucht der Mensch sich auch selbst zu ergründen. Er horcht in sich hinein und wir werden noch einige wesentliche und wichtige Aspekte aus dieser meditativen, mystischen Selbstbeschau ziehen.
Der Ursprung meines Wesens, wie ich heute bin, geht zurück auf den Anfang meines Selbsts, meine Entstehung, meine Geburt. Dabei sehe ich den Begriff Geburt erstmal unspezifisch, weil dies unwesentlich für die Argumentation ist (Die Geburt als Ursprung kann hier also je nach Weltanschauung, die Bedeutung des ersten Lebens in einer langen Reihe von Wiedergeburten sein oder meine körperliche Zeugung oder meine physische Geburt oder irgend ein Zustand dazwischen). Es gibt also einen Anfangspunkt an dem ich begonnen habe zu beobachten und später auch zu begreifen.
Ferner haben wir uns von diesem Anfangspunkt an zu dem entwickelt, was wir gerade jetzt in diesem Moment sind. Wir tragen unser ganz eigene Geschichte in uns. Wir erschaffen uns ständig die Welt, in der wir leben in dem wir die Gegenwart mit der Vergangenheit verknüpfen. Dieser Vorgang ist hoch interessant und wirft noch viele Rätsel auf.
So sind wir, was wir sind, weil wir irgend wann geboren wurden und weil wir bewusst und unbewusst ein Gedächtnis für unsere Geschichte unsere Erlebnisse in uns tragen. Dies ermöglicht es uns uns in der Welt zu orientieren, aber auch mit den anderen in Kontakt zu treten.
Ein aufgeklärter Geist darf sich daher nicht nur mit den äusseren Dingen, Beobachtungen und Phänomenen beschäftigen. Er muss sich auch mit seinem Innersten auseinandersetzen und genauso intensiv hier beobachten und Erfahrungen sammeln. Diese innere Welt ist der äusseren Welt gleichgestellt. Es ist sehr wichtig auch hier ausreichende Kenntnisse zu erlangen. Man wird feststellen, dass es eine Interaktion zwischen dieser inneren und der äusseren Welt gibt. Speziell ein freier Geist oder sagen wir besser die Entscheidungsfreiheit ist nur bei jemand gegeben, der auch seine inneren Zusammenhänge kennt. Er muss die Kräfte einschätzen können, die dort am Werke sind.
Um Nachhaltig zufrieden zu sein, ist es wichtiger auf diese inneren Kräfte zu achten, als sich durch äußere Eindrücke blenden zu lassen. Viel zu häufig wird das Glück an dieser Stelle durch äußere Reize erkauft. Aber erst die Verknüpfung mit inneren Werten oder gänzlich unabhängige Gefühle machen eine nachhaltige Zufriedenheit aus. Wir können im Alltag einiges an Einbusen bezüglich unserer Grundbedürfnisse kompensieren, in dem wir unsere innere Einstellung zu den Dingen entsprechend positionieren. Es ist häufig viel einfacher die innere Position anzupassen, als die äußere Situation. Dies ist ein mächtiger Mechanismus, der im Allgemeinen stark unterschätzt wird
Ich möchte mich an dieser Stelle allerdings deutlich, von einer hedonistischen Auffassung distanzieren. Die Maximierung des Glücks als Lebensziel ob als Einzelner oder im Kollektiv, entspricht nicht meinem Denken und lässt sich auch nicht aus den hier aufgezeigten Grundsätzen folgern. Vielmehr denke ich, dass man das Phänomen Glück deutlich differenzierter betrachten muss. Man muss die verschiedenen Arten von Glück unterscheiden und individuell betrachten. Ich denke, dass sich Glück und Leid bedingen. Das reine Glück "an sich" existiert nicht und wenn doch so bedingt es seinen Gegenspieler das reine Leid.
Eigeninitiative und Verantwortung
Aus den Werten, die ich in den letzten Abschnitten versucht habe zu begründen und zu erklären, lässt sich sicher das Recht des Einzelnen auf eine adäquate Umgebung ableiten. Man könnte daraus vielleicht auch ein ganzes Rechtssystem aufbauen. Ein Individuum könnte diese Rechte in einer Gesellschaft dann für sich auch reklamieren und sogar einklagen. Kommt es zu Verstößen, kann man sich dann auf diese Rechte berufen und Rechenschaft fordern.
Aber es gibt noch einen viel wichtigeren Aspekt, der das Individuum aus seiner bequemen Lage des Fordernden, hin zu mehr Eigenverantwortung drängt. Aus den Werten ergeben sich persönliche Pflichten und damit verbunden eine persönliche Verantwortlichkeit für das Handeln des Einzelnen. Ich sehe hier eine existentialistische Verantwortlichkeit ganz im satreschen Sinne.
Wir werden uns noch mit den Möglichkeiten eines freien Willens etwas detaillierter beschäftigen. Aber setzen wir diesen freien Willen des Einzelnen erstmal voraus, so folgt daraus auch eine persönliche Verantwortung für die Wirkung, die diese Handlung erzeugt. Hinzu kommt aber auch die Verantwortung sich im aufgeklärten Sinne persönlich fortzuentwickeln. Man muss seine Freiheit auch nutzen zum Wohle seiner eigenen Entwicklung und im zweiten Schritt auch zum Wohle der gesellschaftlichen Entwicklung und darum soll es hier im wesentlichen gehen.
Die Forderung an den Einzelnen lautet:
Du bist als Teil des Universums geboren, du hast die Gabe zu beobachten und Schlüsse zu ziehen, also nutze sie auch! Zeige Initiative, erfahre, habe Erkenntnisse, entwickle dich fort und werde weise. Bringe dich zum Wohle der Gesellschaft als aufgeklärter, kritischer Geist ein. Decke die Dinge auf, die falsch sind und zeige einen besseren Weg auf.
Ob eine Entscheidung, eine Handlung am Ende richtig oder falsch war, ob sie wie eben geschrieben "zum Wohle" oder eben zum Unwohle war, muss sich am Ende nach Maßgabe des kategorischen Imperativs ergeben.
Es ist jedoch ganz normal, dass selbst Handlungen, die nach bestem Wissen und Gewissen bewußt ausgeführt wurden, sich im Nachhinein als Fehler herausstellen können. Dies ist sehr menschlich und niemand ist vor Fehleinschätzungen gefeiht.
Ein verantwortlicher Mensch wird aber in einem solchen Fall zu dem Fehler stehen und er wird auch versuchen diesen Fehler zu korrigieren, soweit dies möglich ist.
Blicken wir auf die persönliche Entwicklung jedes Einzelnen, so spielen die Fehler beim Lernen und sammeln von Erfahrungen eine sehr korrigierende und wichtige Rolle. Ein Lernen ohne diese Fehler ist praktisch unmöglich. Wichtig ist jedoch, dass solche Fehler möglichst im experimentellen Rahmen gemacht werden. Dies ist ein Umfeld in dem die Auswirkungen begrenzt sind. Die Kunst ist dann, nicht nur aus diesen Fehlern zu lernen, sondern diese eben auch auf vergleichbare Situationen zu transferieren, so dass man später diese Situation erkennt und den Fehler nicht nocheinmal macht.
Auch hier ist die Verpflichtung zuerkennen, zu reflektieren und sich persönlich Fortzuentwickeln. Jeder trägt eine persönliche Verantwortung dafür, sich ständig selbst zu korrigieren und Initiative in dieser Richtung zu zeigen.
Diese Verantwortung der Pflichtung nachzukommen, die aus den Werten erwächst, steht ganz klar über den Rechten, die sich aus diesen ergeben. Etwas lags formuliert könnte man auch sagen, man ist verpflichtet sich erstmal selbst an der Nase zufassen oder im eigenen Hause zukehren, bevor man sich beschwert, auf seine Rechte pocht und diese Arbeit so von anderen erledigen lässt.
Wie zuvor schon erwähnt unterscheide ich zwischen persönlicher Verantwortung und der Verantwortung in einer gesellschafftlichen, öffentlichen Rolle. Jemand in dieser Rolle trägt erstmal genau, die selbe Verantwortung, wie jeder Einzelne. Nur steht er unter ganz anderer und kritischerer Beobachtung. Sein Handeln wird so ganz anders reflektiert und die Interaktion bekommt eine ganz andere Bedeutung und Wirkung. So ist nicht nur die Handlung sondern auch die Kritik öffentlich.
Andererseits muss man aber auch einer solchen Person eine private, persönliche Dimension zugestehen. Es muss zwischen den privaten Handlungen und den öffentlichen Handlungen differenziert werden. Das private Umfeld muss auch bei einer solchen Person geschützt werden, dies gehört, genauso wie bei jedem Anderen, zu den persönlichen Grundbedürfnissen der Person und der Respekt vor ihr gebietet dies.
Die humanistische Perspektive
Der Begriff der humanistischen Perspektive soll es u.a. ermöglichen eine menschliche Sichtweise von seinem Ursprung, dem menschlichen Individuum, zulösen. Im Gegensatz zu der narzistischen, egozentrischen anmutenden Sichtweise des Humanismus, soll diese Perspektive es auch ermöglichen die Erkenntnisse auf andere Lebewesen und auch auf post-humane Intelligenz übertragbar zu machen. Dies kann natürlich nur insoweit gelingen, solange hier noch gleiche oder ähnliche Grundvorraussetzungen, wie hier dargelegt, gälten.
Ich spreche daher ganz bewußt von Individuum und nicht vom Menschen, weil ich den Kontext an dieser Stelle nicht so eng fassen möchte.
Darüber hinaus soll der neue Begriff der humanistischen Perspektive aber auch eine klare Abgrenzung gegen über den heterogenen Begriff des Humanismus und insbesondere gegenüber dem klassischen Humanismus darstellen. Es besteht hier sicher eine gedankliche Verwandschaft und es finden sich viele sehr intressante Aspekte. Aber die reine Rückbesinnung auf die griechische Philosophie und das damalige Denken erscheint mir in Anbetracht neuer Erkenntnisse und der gesellschaftlichen Entwicklung nicht als ausreichend und zeitgemäß.
Das hier entworfene humanistische Denken orientiert sich eher an moderne Philosphie. Das existenzialistische Denken Satres, welche sehr stark die Eigenverantwortung des Individuums betont, findet sich hier wieder. Aber auch die Ansätze Erich Fromms zum Sein und der Liebe spielen eine Rolle.
Das in den vorausgegangen Ausführungen und Herleitungen beschriebene, stellt die wesentlichen Begründungen und die Grundlage für die weiteren Gedanken dar. Es ergeben sich daraus die wesentlichen Werte, welche letztendlich den Kern für die humanistische Perspektive bilden. Ich werde in den weiteren Themenfeldern diese Werte noch genauer prüfen und ausarbeiten. Ich werde diese Denkweise weiter ausbauen und im Kontext auch an den Grenzen der Wahrnehmung und Erkenntnis prüfen.
Im aktuellen Teil werde ich auf aktuelle Themen eingehen und insbesondere Kritik aus der hier entwickelten Sichtweise heraus üben. So hoffe ich, dass meine Gedanken und die hier entwickelte humanistische Perspektive zur Zufriedenheit, Fortentwicklung jedes Einzelnen, aber eben auch der Gesellschaft beiträgt.
frei_denker am 05. Januar 17
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